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2. Bericht

Einen wunderschönen “buenos días” meine Lieben!

Nach wie vor geht es mir hier gut. Ich genieße es sehr in Mexiko zu sein.Selbsverständlich habe ich schon einige sentimentale Phasen hinter mir, in denen mich das Heimweh gepackt hatte. Doch wie gesagt, das habe ich hinter mich gebracht :-) Es bringt nichts sich der Melancholie hinzugeben :-) Es vergeht nicht ein Tag, an dem ich nicht an meine Freunde und/oder meine Familie denke. Gerade zwischen den Jahren war Deutschland ganz präsent. Denn schließlich gibt`s viel über die deutsche Weihnachtszeit zu erzählen und es wird mir bewusst wie wunderschön wir Weihnachten feiern. Im Gegensatz dazu sind die Mexikaner Weihnachtsbanausen. Natürlich schmücken sie ihre Häser und Mäkte, doch die Vorfreude bleibt  auf Grund des Wetters aus. 
Was würde ich dafür geben auch nur eine Stunde durch den deutschen  Weihnachtsmarkt zu laufen, all diese köstlichen Gerüche einatmend. Was wuerde ich dafuer geben, den alljährlichen Stress des Geschenkekaufs zu verspüren. Und noch mehr würde ich dafür geben auch nur einige Minuten Mutti beim Plätzchenbacken zuzuschauen, geschweige denn sie zu kosten. Nun gut, lassen wir das! Vom Rumspinnen ändert sich nichts. Um  trotztdem in Weihnachtsstimmung zu kommen, hatte ich mein kleines Haus wunderhübsch dekoriert mit Tannengrün, Weihnachtskugeln und Weihnachtssternen. Ach ja und die gute alte Tradition des Adventskranzes pflegte ich selbstverständlich auch. Ich habe mich da wieder in Unkosten gestürtzt, doch was macht man nicht alles, um sich heimisch zu fühlen.
Letztendlich habe ich Weihnachten mit der Familie eines Freundes verbracht. So richtig schön und besinnlich war das auf keinen Fall. Wir haben erstmal bis um 24 Uhr warten müssen. Gezwungenermaßen musste ich mich mit Tanten und Cousins über Gott und die Welt unterhalten. Um 12 Uhr haben wir angestoßen, uns Frohe Weihnachten gewünscht und Geschenke ausgetauscht (nach einem sehr merkwürdigen Prinzip).  Im Anschluss gab es Abendessen oder besser gesagt Nachtessen. Irgendwie kam mir die Feier vor wie eine Selvesterfeier. Die Mexikaner nutzen auch wirklich jede Möglichkeit um sich abzuschießen. War aber trotztdem ganz nett.

Selvester verbrachte ich auf einem Camp mit den Straßenkindern. Unsere Fundación veranstalltete ein 12 tägiges Camp mit Jugendlichen in der Zeit vom 22. Dezember bis zum 2. Januar. Es gab 2 Erziehermannschaften. Die erste betreute die Kinder in der ersten Wochen und die zweite Mannschaft unter anderem auch ich in der zweiten.
Das Camp war an sich ganz schön. Das Gelände auf dem wir gezeltet haben, war wirklich traumhaft… eigentlich nur was für Wohlhabende. Ich habe schon Spass gehabt, doch richtig amüsieren konnte ich mich nicht, erstens weil ich mich wieder erkältet hatte und zweitens: weil eine andere Freiwillige und ich viel arbeiten mussten. Die Erzieher haben sich immer mit den Kindern beschäftigt, das heißt, haben sich gesonnt oder waren mit ihnen schwimmen und wir durften Kochtöpfe schrubben, Lager aufräumen und Essen vorbereiten. Wir hatten also die unangenehmen Aufgaben. Überhaupt kam mir das Kamp sehr mexikanisch vor. Die Erzieher waren duchaus kompetent aber es schlichen sich doch so typische mexikanische Verhaltensweisen ein (Unpünktlichkeit, Faulheit).
Also wie immer hat man in der Woche nur die Hälfte dessen gemacht, was auf dem Plan stand. Es ist auch verständlich, dass es einfacher ist Kinder jeden Abend zum Lagerfeuer oder zum Film zu schicken, als eine Nachtwanderung durchzuführen. Silvester verbrachten wir alle zusammen im Camp. Die Erzieher haben ein nettes Abendessen bestellt, doch wie immer kein Programm für den Abend vorbereitet. Nichtsdestotrotz war die Feier ganz schön. Wir haben viel getanzt und auch einige Spiele gespielt, nach dem ich die Initiative ergriff Limbo durchzuführen.

Da ich weder Weihnachten noch Silvester in einer vertrauten Umgebung verbracht habe, wollte ich mit Freunden nachträglich auf das neue Jahr anstoßen. Gleich am nächsten Tag nach meiner Rückkehr vom Camp machte ich einen Neujahresempfang :-) mit leckerem Essen, Cocktails und natürlich Abendgarderobe. Ich habe einige Fotos gemacht.

Kaum zu glauben, dass ich hier schon über vier Monate lebe. Mir bleinen also nur noch acht. Das macht mir fast Angst. Ich habe mich eingelebt und möchte das eine ganze Weile genießen. Ich muss mich sputen, so viel Zeit bleibt mir nicht um das Land zu erkunden. Bisher habe ich nicht viel gesehen, lediglich verreiste ich  zwei mal. Einmal nach Guanajuato und das zweite mal nach Veracruz ans Meer. Beide Ausflüge waren wunderschön. Natürlich habe ich viel Neues gesehen, viele Eindrücke gewonnen etc.. Was mich jedoch mehr bereichert, ist die Zeit, die ich in solchen Ausflügen mit Freunden verbringe. Fernab vom hektischen und oberflächlichem Alltag, genieße ich die entspannte und vertraute Atmosphaere, wo man sein kann wie man ist, wo man verstanden wird, auch wenn einem die Worte fehlen.

Je länger ich hier wohne, desto normaler kommt mir alles vor: die Hunde, unzähligen Ständen auf den Straßen, die haesslichen Plätze und im Gegensatz die Wolkenkratzer und Reichenviertel.
Vor einigen Wochen unternahm ich mit Freunden eine Stadttour mit dem Touri-Bus. Auf diese Weise konnte ich die Stadt aus einer anderen Perspektive bewunder. Kaum zu glauben, doch wir waren sechs Stunden unterwegs. Es war beeindruckend das riesige Ausma? der Stadt wahrzunehmen. Vorbei an alten Kirchen, Regierungsgebäuden, modernen Hochhäsern, Parkanlagen, überdeminsionalen Springbrunen, Statuen, kolonialen Stadtvierteln, Museen und und und…

Die Menschen der Stadt sind immer in Eile, hecktisch und gesteresst. Man lebt hier relativ anomym, wie in anderen Großstädten auch. Sicherlich gibt es einige Unterschiede, aber die gibts zwischen Sachsen und Bayern auch :-) Die Stadt hat kulturell wirklich viel zu bieten. Es gibt hier  für alles ein Museum. Da ich im Capm war, stehen mir noch einige Tage Erholung zu, sodas ich in dieser Woche nicht zur Arbeit gehe, sondern mich ausruhe. Morgen gehe ich zur "Migración" um mein Visum zu beantragen und im Anschluss werde ich mir einige weitere Museen und Ausstellungen anschauen. Die Bürokratie hier ist noch schlimmer als in Deutschland - man kann sich nicht vorstellen, wieviele Formulare ich schon in der Ausländerbehörde abgegeben habe und die wollen immer mehr. Beim letzten Mal forderten sie ein notariell beglaubigtes Schulzeugnis und ebenfalls dessen beglaubigte Übersetzung. Ich habe mit meiner Organisation geredet und die haben mir gesagt, dass die von dem Migrationsamt spinnen. Morgen gehe ich hin, um das zu klären. Ich freue mich darauf, weil das Amt in einem sehr schönen Viertel liegt. Dort kommt es einem vor, man wäre in einem anderen Land. Dort gibt es abgesehen von schönen Gebäden und noblen Läden viel mehr Europäer. Da fühlt man sich nicht so ausländisch und fällt auch nicht auf als Weißer mit grünen Augenm, als guero :-)
Am kommenden Wochenende ist schon das Midlecamp von SIIJUVE. Alle internationalen Freiwilligen der Organisation in Mexiko werden sich wiedersehen und zusammen einige Tage verbringen. Darauf freue ich mich schon.

Ich möchte hiermit allen Freunden und Bekannten noch einmal ein frohes und glückliches Neues Jahr voller Erolg wünschen.

Auf bald!!
 
Viktor
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