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Erfahungsbericht 2

Zwischenbericht nach 9 Monaten

Mein Auslandsjahr neigt sich dem Ende zu, das ruft bei mir gespaltene Emotionen hervor. Ein positives Zeichen, denke ich. Vor allem ueberwiegt die Freude und die Dankbarkeit fuer die Erfahrungen, die ich sammeln, Menschen, die ich kennenlernen und Freundschaften, die ich schliessen konnte. Meine momentane Situation im Projekt koennte wirklich nicht besser sein. Ich fuehle mich aktzempiert und bin immer noch motiviert. In Maerz durfte ich nach einem halben Jahr vom Tageszentrum in die Etappe der Strassenarbeit wechseln. Diese projektinterne Veraenderung gab mit einen grossen Motivationsschub. Die Arbeit im Tageszentrum hat mir gefallen. Es machte mir Spass mit den Kinder zusammenzusein und den Erziehern Zuarbeit zu leisten, um so einen reibungslosen Tagesablauf zu ermoeglichen. Das Tageszentrum war im Vergleich zur Strassenarbeit ein begrentztes Teritorium, in dem man sich beschuetzt vorkam. Es war moeglich sich allmaehlig zu gewoehnen, man musste nicht gleich im fuenften Gang arbeiten. Man brachte sich in dem Masse ein, in dem man sich das zutraute. Dank der Taetigkeit im Tageszentrum habe ich die Beruehrungsaengste vor den Kinder verlore, was mir nun auf der Strasse sehr zu Gute kommt. Neben der Erweiterung meines Spanischvermoegens, habe ich im Tageszentrum gelernt, mit schwierigen Menschen auszukommen. Oft kostete es mich Kraft ruhig zu bleiben,wenn die Strassenkindern rebellisch wurden. Mittlerweile nehme ich das gelassen und rege mich nicht auf. Meine Rolle im Projekt hat sich deutlich veraendert. Zur Zeit arbeite ich in der Etappe der Starssenarbeit mit 3 Erziehern und 2 weiteren Freiwilligen. Jeden Tag gehen wir in einem fixen Zweierteam, bestehend aus Erzieher und einem Freiwlligen, auf die Strasse um Diagnosen zu erstellen, bestimmte Kinder zu suchen oder mit ihnen methodisch zu arbeiten um sie ins Tageszentrum einladen zu koennen. Ich fuehle mich im Kollegium nach wie vor sehr wohl. Das Verhaeltnis zu meinen jetzigen Cheff ist sehr gut. Gluecklicherweise konnte ich auf diese Weise eine ganz andere Cheffrolle in Mexiko kennenlernen. Im Tageszentrum wurde zu wenig Wert auf die Initiative der Freiwilligen gelegt. Meinungen oder Verbesserungsvorschlaege unsererseits waren unerwuenscht. Manchmal dachte ich, dass das Mittdenken im Tageszentrum ebenfalls unerwuenscht war. Die Arbeit von mir und der anderen Freiwilligen bekam zu wenig Wertschaetzung. Das alles hat sich auf der “Strasse” geaendert. Ich fuehle mich ernstgenommen und habe gar keine Scheue weder Verbesserungsvorschlaege noch dezente Kritik zu aeussern, im Gegentei wir Freiwilligen werden danach gefragt. Den Grossteil des Tages verbringe ich irgendwo zwischen irgendwelchen Strassen der riesigen Stadt. Mein Arbeitstag beginnt gegen 8 Uhr. Gewoehnlicherweise treffe ich mich am Morgen mit einem Erzieher, um eins bis zwei Kinder zu suchen und sie aufzuwecken, um sie ins Tageszentrum zu begleiten. Dann bleibe ich bis zum Freuhstueck mit ihnen dort um sie zu motivieren und zu unterhalten. Daraufhin wird der Rucksack mit Spielen und Diabolos zusammengepackt und hinaus geht es in die unsicheren Strassen. Wie schon erwaehnt gibt es auch auf der Strassen unterschiedliche Aufgaben. Zuerst wir von einer Gegend ( wie Park oder Platz) eine Diagnose erstellt. Dazu gehen wir dorthin, setzen uns und beobachten eine Weile was passiert. Obdachlose, Drogenabhaengige, Arbeiter, Verwahrloste und vor allem arbeitende Kinder und Strassenkinder ist das, worauf wir unsere Wahrnehmung spitzen muessen. Alles was wir sehen wird in ein Computerprogramm eingegeben. In jeder Gegend werden Diagnosen mehrmals und regelmaessig durchgefuehrt. Wenn es dann in einer Gegend Personen gibt, die dem Profil meines Projekts entsprechen, so suchen wir den Kontakt mit diesen auf. Gewoehnlich stellen wir den Kontakt zu den Kindern mit einem Spiel oder irgendeiner Frage her. Darauf folgt Kennenlernen und Vertaruen aufbauen bis hinzu, dass wir das Kind ins Tageszentrum einladen, wo mit ihm weiter gearbeitet wird.

Das Verhaeltnis zwischen den Kindern und mir ist auf der Strasse auch anders als im Tageszentrum. Es ist intensiver, da  man viel mehr ueber das Schicksal und die Lebenssituation der Kinder erfaehrt. In der Anfangszeit hat es mich geschockt die Unterkuenfte der Kinder zu “betreten”, es widerte mich beinah an. Mitlerweile bereits nach 3 Monaten erscheint es mir normal zu sein. In den 9 Monaten, die ich hier in Mexiko verbracht habe, lernte ich ausreichend das Spanisch der Strassenkinder zu verstehen. Und es faellt mir nicht schwer mit ihenen ein Gespreach zu fuehren. Das ist von enormer Bedeutung, da es manchmal den Kinden und Jugendlichen leicher faellt mit mir zu spraechen als mit der Streetworkerin, mit der ich auf die Strasse gehe. Das zu wissen befriedigt mich sehr. Ich bemueche mich stehts munter und motiviert zur Arbeit zu gehen, denn das wache Auge ist auf der Strasse von enormer Bedeutung. Somit profitiert das Zweiergespann Streetworker-Freiwilliger auch von meiner Wahrnehmung. In der ersten Zeit wies mich meine Partnerin ein, erklaerte worauf man achten sollte und wo man besonders schuaen muss, welche der Menschen Obdachlose, welche Arbeiter sind und woran man das erkaenntt. Ich habe meine Wahrnehmung soweit veraendert, dass ich sogar in meiner Freizeit auch nur Strassenkinder und haessliche Plaetze sehe. Ich denke, dass meine offene Art auch sehr zu Gute kommt. In einem Reflektionsgespraech zwischen mir und meinem Cheff bekam ich ein sehr positives Feedback. Ich galaube, dass es nichts besseres gibt als einen zufriedenen Vorgesetzten zu haben.

Meine Wohnsituation hat sich ab dem ersten halben Jahr veraendert. Ich lebe nicht mehr allene in dem Freiwilligenhaus des Projektes. Zwischendurch teilte ich das Haus mit zwei weiteren Freiwilligen, wobei einer von ihnen wegen der Grippewelle nach Europa zurueckkehrte. Geblieben ist ein 23 jaehriger Englaender, mit dem ich mich ehr schlecht als recht verstehe. Es ist fuer mich eine grosse Herausforderung mit ihm zu leben, da er sich nicht an unsrere Regeln und Vereinbarungen haelt. Um mich zu beruhigen sage ich mir, dass ich aus dieser schlechten Erfahrung auch etwas lernen kann.

Sich in meiner Situation Ziele zu setzen ist wirklich schwer. Ich erhoffe mir, dass ich weiterhin Empathie ausstrahlen kann, auch fuer die Jugendliche und Kinder, die ich nicht verstehe und deren Einstellung ich nicht tollerieren kann. Es ist etwas ganz Wichtiges, was ich unter anderem in meinem Projekt gelert habe. Man kann nicht alle moegen, doch jeder der Junegentlichen verdient respektvoll behandelt zu werden. Oft ist es mir kaum moeglich, mich nicht aufzuregen. In sochen Situationen denke ich an das, was ich auf der Strasse kennengelernt habe, an die Strassenregeln und die Gruende warum sie auf der Strasse leben und das laesst mich runterkuehlen. Letztendlich sind die Strassenkinder Opfer ihres Schicksals. Und keines von ihnen verdient es auf der Strasse zu leben. Was ich besonders in dem Jahr gelernt habe ist Durchhaltevermoegen und Geduld. Ganz einfach zu erklaeren: Mit den Jugendlichen muss man sehr vorsichtig umgehen, nur ein falscher Ton und sie bocken oder warden agressiv. Das einzige Mittel ist es geduldig und an ihnen interessiert zu sein. In den restlichen Wochen werde ich versuchen die Zeit in Mexiko und auch in meinem Projekt so viel wie moeglich zy geniessen. Ganz klar muss ich erwaehnen, dass ich in Mexiko fast ausschliesslich nur positiwe Erfahrungen gemacht habe. Und ich bin schon gespannt auf die, die noch kommen.

 
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Pro Niños de la Calle
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